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Bevor die Portugiesen Brasilien entdeckten, war das Land die Heimat von über
4 Mio. Ureinwohnern. Sie werden in zwei relativ unterschiedliche Gruppen
eingeteilt. Die weniger starke Gruppe der Paläo-Amerikaner, in vieler Hinsicht
den Nordamerikanischen Prärieindianern ähnlich, besetzte die kühleren und
trockeneren Landstriche. Sie lebte hauptsächlich vom Jagen und Sammeln. Die
Urwaldstämme siedelten in den Dschungeln Amazoniens und an der Atlantikküste.
Sie lebten in Dörfern von nicht weniger als 3.000 Einwohnern, waren
ausgezeichnete Fischer und Farmer, die auch Hängematten, Kanus und Balsaflöße
herstellten sowie Blasrohre zum Jagen und Kämpfen sowie exquisite Töpferwaren.
Ihr Grundnahrungsmittel hieß Cassava oder Maniok, immer noch ein wichtiger
Bestandteil der brasilianischen Küche.
Da sie das zugänglichste und fruchtbarste Land besetzt hatten, stießen die
Urwaldindianer als erste mit den frühen europäischen Siedlern zusammen. Bald
waren sie durch Krieg, Krankheiten und Versklavung ausgerottet. Die
isolierteren, kriegerischeren Paläo-Amerikaner überlebten mehrere Jahrhunderte
länger. Heute findet man noch ein paar wenige Gruppen in den entlegenen Teilen
Amazoniens. Obwohl die Indianer fast vollständig aus Brasilien verschwunden
sind, haben viele Brasilianer, vor allem die im Landesinneren, noch etwas
indianisches Blut.
Die Portugiesen fanden bald heraus, daß die Indianer schlechte und unwillige
Sklaven waren. Daher importierten sie ab 1538 Afrikaner für die Arbeit auf den
Zuckerplantagen an der Küste. Später wurden diese Sklaven in die Gold- und
Silberminen in Minas Gerais und zu den Kaffeepflanzungen in den Hochländern von
Rio de Janeiro gebracht. 1822, mit Abschaffung des Sklavenhandels, lebten etwa 4
Mio. Afrikaner in Brasilien - zufällig in etwa dieselbe Anzahl wie die der
Indianer, die früher das Land bewohnten. Heute besteht die brasilianische
Bevölkerung in der Mehrheit aus Schwarzen und Mulatten.
Im 19. Jahrhundert kamen immer wieder kleine Gruppen nicht-portugiesischer
Europäer nach Brasilien, doch erst nach der Sklavenbefreiung 1858 zog das Land
eine große Zahl europäischer Siedler an. In der Folgezeit bis zum Ersten
Weltkrieg wanderten jedes Jahr nicht weniger als 200.000 Menschen ins Land ein.
Etwa die Hälfte stammte aus Süditalien, diese Einwanderer gingen zum größten
Teil auf die neu eröffneten Kaffeepflanzungen von São Paulo. Nach dem Krieg
nahm die Einwanderung, vor allem aus Deutschland, Osteuropa und Japan, wieder
zu. Dann folgten die Wirtschaftskrise der dreißiger Jahre, der Zweite Weltkrieg
und ein Quotensystem, wodurch die Zahl der Einwanderer weiter beschränkt wurde.
Nach einem kurzen Wiederaufleben nach dem Zweiten Weltkrieg ging der Zustrom an
Einwanderern wieder zurück.
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